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Alle für eine Vision: das ideale Gebäude

Erschienen in "Sicht+Sonnenschutz", Ausgabe 12/2010, S.28f

193 R+S-Hersteller haben als Verband ein großes Ziel

Der Name ist noch relativ jung, doch hinter dem in Branchenkreisen kurz ITRS genannten Industrieverband Technische Textilien, Rollladen und Sonnenschutz stehen 75 Jahre Tradition. Bis Oktober vergangenen Jahres firmierte der Verband unter dem Namen Bundesverband Konfektion Technischer Textilien (BKTex). Und mit der stetig steigenden Mitgliederzahl wachsen auch die Ziele des Verbandes.

Nachdem immer mehr Rollladenhersteller zu uns gestoßen waren, wollten wir, dass sich das auch in unserem Verbandsnamen niederschlägt, erklärt ITRS-Präsident Bernd Seybold. Der 59-Jährige ist Chef der gleichnamigen GmbH in Düren, die er 1976 gegründet hat. Bereits im BKTex engagierte sich Seybold einst als Schatzmeister und später auch als Präsident. "In meinem Betrieb vollziehen wir gerade einen Generationenwechsel", erklärt der Mann mit Brille. Seine Neffen rücken in das Unternehmen nach und übernehmen Schritt für Schritt mehr Verantwortung. So bleibt Seybold mehr Zeit, sich für die großen Ziele des Verbandes zu engagieren. "Wir wollen ein neues Gesicht bekommen und uns für weitere Branchen öffnen." Außerdem sollen in Zukunft auch technische Themen in Zusammenhang mit Energieeffizienz eine größere Rolle im Verband spielen. Für Seybold steht fest:"Es muss darum gehen, gemeinsam an einem intelligenten System in Sachen Energieeffizienz und Sonnenschutz für Gebäude zu arbeiten. Als einzelner Hersteller erreiche man gar nichts." Vielmehr sollen sich in Zukunft "verschiedene Systeme miteinander verzahnen".

Damit diese Vision möglichst schnell Realität wird, verrät Seybold exklusiv im Gespräch mit sicht+sonnenschutz, plant der Verband für das kommende Jahr, ein "ideales Gebäude" zu errichten. Am Standort Königsbrunn bei Augsburg soll ein Haus mit Beispielcharakter - nicht nur in Sachen Sonnenschutztechnik - entstehen. Alle denkbaren Gewerke im Bau- und Ausbaubereich tragen nach Vorstellung des ITRS-Präsidenten ihre Erfahrungen zusammen und profitieren für ein bestmögliches, energieeffizientes System voneinander.

In sieben Fachgruppen unterteilt

Schon heute kümmern sich die Vereinsmitglieder um verschiedene Produktbereiche. Derzeit sind die 193 Hersteller, Tendenz steigend, in sieben Fachgruppen organisiert. "Wir haben Mitglieder aus Italien, Holland, Belgien, Frankreich, der Schweiz und Österreich", unterstreicht Seybold die Internationalität des Verbandes.

Das sind die sieben Fachgruppen des ITRS

- A.E.S. - Arbeitsgemeinschaft Energiesparende Sonnenschutztechnik
- Bautechnik
- IVRSA - Industrievereinigung Rollladen-Sonnenschutz-Automation
- Technische Konfektion
- Säcke und Juteerzeugnisse
- Sonnenschutz innen liegend
- Transport- und Schtuztechnik
- Werbetechnik - digitale Druck- und textile Werbetechnik

Der ITRS arbeitet nicht nur im DIN-Normungsausschuss auf europäischer Ebene mit, sondern entwickelt auch eigene Richtlinien im Verband, zum Beispiel, wie man eine Zollplane ordnungsgemäß herrichtet. Immerhin ist die Mehrzahl der Mitglieder Hersteller von Lkw-Planen.
In die Fachgruppe Transport- und Schutztechnik bindet der Verband auch Zulieferfirmen mit ein. Im Bereich Sonnenschutz innen liegend sind die Hersteller aller textilen Produkte, die am Fenster angebracht werden, angegliedert. Dort befassen wir uns mit Messgrößen zum sommerlichen Wärmeschutz, Prüfprogrammen für textile Produkte im Einsatz sowie Grundlagen und Normen für den technischen Beitrag von innen liegendem Sonnenschutz am Fenster", erklärt Seybold. Mit den im Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) organisierten Konfektionsunternehmen arbeitet der ITRS eng zusammen. "Das ist Basis für eine umfassende und wirkungsvolle Bearbeitung des Markts für Sonnenschutztextilien", sagt der Präsident.
Die Industrievereinigung Rollladen-Sonnenschutz-Automation besteht aus Unternehmen der Branche sowie der Zulieferindustrie. Sie gliedert sich derzeit in vier Fachausschüsse: Markisen, Rollladen, Raffstores sowie Motoren/Steuerung. Arbeitskreise befassen sich mit Fragen der Technik, Öffentlichkeitsarbeit sowie sonstigen Interessenswahrnehmungen. Die Fachausschüsse erstellen für Fachhändler und Kunden branchenbezogene Unterlagen wie beispielsweise Richtlinien. Sachverständige setzen diese bei Streitfällen ein, da sie von Richtern zumeist anerkannt werden. Vertreter der einzelnen Branchen arbeiten mit an den umfangreichen Normungsvorhaben auf europäischer Ebene. Im Zuge von Gesetzesänderungen müssen sich die Fachleute ständig weiterbilden und Produkte entwickeln. Einige innovative Mitgliedsunternehmen sind durch Forschung und Entwicklung führend in Europa. In der Arbeitsgruppe Technische Konfektion engagieren sich Vertreter der reinen Konfektionsbetriebe.
Inhaber oder Geschäftsführer der klassischen Konfektionsunternehmen untersuchen in regelmäßigen Sitzungen Probleme bei Verarbeitungsprozessen und arbeiten unter anderem an besseren Produkten und Fügetechniken. Darüber hinaus gibt es eine Tarifkommission, die zuständig ist für die Verhandlungen von Lohn-und Gehaltsabschlüssen mit der Industriegewerkschaft Metall. Weiterhin verfügt der Verband für die tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen über verschiedene weitere Tarifwerke.

Nachwuchsarbeit ist Ehrensache

Darüber hinaus ist der ITRS Betrieben behilflich bei der Suche nach Auszubildenden. Um geeigneten Nachwuchs zu fördern, hat der Verband 1997 in Zusammenarbeit mit der Berufsschule Köln eine länderübergreifende Fachklasse technische Konfektionäre eingerichtet.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit der Prüfung vor der IHK. Danach kann die Weiterbildung zum Industriemeister Textilwirtschaft oder Techniker angestrebt werden. Dazu stehen zirka 70 Mitgliedsunternehmen zur Ausbildung bereit.

Kerstin Pätzold

Weiterführende Information finden Sie auf der offziellen Website des ITRS.




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